Konstruktion – Frugal Engineering

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Beim Frugal Engineering werden Maschinen oder Anlagen entwickelt, die nur die aus Kundensicht notwendigen Elemente und Funktionen enthalten.

Die Onlineveranstaltung am 18. Februar 2021 beschäftigte sich mit dem Thema der Entwicklung frugaler Innovationen. Beim Frugal Engineering geht es darum, einfache, robuste und zugleich kostengünstige Lösungen zu entwickeln. Die Veranstaltung richtete sich insbesondere an Konstrukteure, Mitarbeiter aus der Forschung und Entwicklung sowie an Innovationsmanager.

Im Rahmen der Veranstaltung waren hauptsächlich Personen aus kleinen und mittelständischen Unternehmen vertreten – dies ergab eine Umfrage im Zuge der Veranstaltung. Interessanterweise waren die Teilnehmer vorwiegend „Neulinge“ auf diesem Gebiet und hatten einen eher geringen Wissensstand beziehungsweise bezeichneten sich selbst noch als Anfänger. Laut Meinung des Teilnehmerkreises sieht ein Großteil aber ein großes Potenzial für frugale Innovationen. Die meisten Unternehmen aus dem Teilnehmerkreis bieten zurzeit noch keine Produkte an, die auf diesem Ansatz beruhen. Allerdings plant rund ein Viertel von ihnen Frugal Engineering in der eigenen Firma noch in diesem Jahr anzuwenden.

Die Referentinnen und Referenten des am Fraunhofer IAO und Fraunhofer IPA angesiedelten Zentrums für frugale Produkte und Produktionssysteme ZFP stellten dar, wie man am besten in das Thema einsteigt und erste Schritte bei der Umsetzung gehen kann. Anhand von Beispielen zeigten sie, auf welche Kriterien man achten sollte. Ebenso wurde erläutert, wie der Spagat zwischen der gewünschten hohen Qualität und niedrigen Kosten gelingen kann. Es muss dabei – noch stärker als bei anderen Themen – die Perspektive des Kunden eingenommen werden, um dessen Anforderungen zu verstehen. Dadurch kann man, wenn man sich auf die wirklich notwendigen Funktionen eines Produktes fokussiert, unnötige Elemente entfernen und so ein kostengünstigeres, aber zugleich den Kundenwünschen entsprechendes Produkt, konstruieren.

Mit Frugal Engineering wird also nicht nur „günstig“ verbunden, sondern eine noch stärkere Anpassung an die Kundenwünsche. Das heißt, dass es in manchen Fällen auch bedeuten kann, die Qualität zu erhöhen, um den Anforderungen in bestimmten regionalen Märkten gerecht zu werden. Beispielhaft wurde dabei auf einen – dem indischen Markt angepassten – LKW verwiesen. Aufgrund der vorherrschenden Straßenverhältnisse waren eine höhere Qualität sowie Verstärkungen bestimmter Elemente des Transporters notwendig.

Im Zuge der Veranstaltung wurde das Praxisbeispiel der ESTA Apparatebau GmbH & Co. KG vorgestellt und detailliert berichtet, wie sie im Rahmen eines Projektes zusammen mit den Fraunhofer-Instituten Frugal Engineering angewendet haben. Betont wurde, dass man am Anfang des Vorhabens nicht zu schnell an Lösungen denken sollte, sondern zuvor die tatsächlichen Kundenanforderungen prüfen müsse. Dazu ist es wichtig, die Kundenperspektive einzunehmen und dies durch Beobachtungen und Befragungen an Ort und Stelle herauszufinden.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.