Produktentstehung

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Wie kann im Produktentstehungsprozess das Spannungsfeld zwischen den Abteilungen Produktmanagement und Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung überwunden werden?

Der Produktentstehungsprozess (PEP) umfasst diverse Schritte von der ersten Idee über die Entwicklung und Konstruktion bis hin zum produktions- und verkaufsfähigen neuen Produkt. Im Rahmen einer Veranstaltung am 18. März 2021 wurde dieses Thema aufgegriffen und die unterschiedlichen Sichtweisen der Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen (EuK) auf der einen Seite und dem Produktmanagement (PM) auf der anderen Seite thematisiert.

Ziel der Veranstaltung war es, den Ablauf des Prozesses darzustellen und Verständnis für die jeweilige andere Seite zu erzeugen. Denn Konstrukteure und Entwickler haben oftmals eine andere Sichtweise auf die Produktgenerierung als Produktmanager. Laut einer vorab durchgeführten Teilnehmerumfrage haben sich annähernd gleich viele Vertreter aus dem Bereich Entwicklung und Konstruktion sowie aus dem Produktmanagement an der Veranstaltung beteiligt. Mit etwa zwei Dritteln stellten Maschinen- und Anlagenbaufirmen mit einer Beschäftigtenanzahl von 250 bis 999 Personen die Mehrheit der Teilnehmenden.

Robert Konjusic und Felix Prumbohm, beide VDMA Business Advisory, zeigten die Sichtweise des Produktmanagements sowie der Entwicklung- und Konstruktionsabteilungen. Als erste Orientierungshilfe diente der Stage-Gate-Prozess nach Cooper, der ein standardisiertes Prozessmodell zur Entwicklung von Produktinnovationen darstellt. Ebenso wurden Meilensteine und Arbeitspakete im Entwicklungsprozess thematisiert, die der Zentrale Arbeitskreis Konstruktion des VDMA auf Basis der VDI-Richtlinie 2221 mit den vier Phasen eines Entwicklungsprojekts (Planen, Konzipieren, Entwerfen und Ausarbeiten) definiert hatte.

Aufbauend auf dem theoretischen Input folgte ein interaktiver Workshop, bei dem zunächst die kontroverse Frage „Wer sollte im PEP die Projektleitung haben?“ aufgeworfen wurde. Für eine Projektleitung durch Entwickler und Konstrukteure sprach dabei aus deren Sicht unter anderem, dass diese „den technischen Überblick hätten und somit die Aufgabenpakte priorisieren könnten“ sowie über die bessere „Produktkenntnis“ verfügten. Dagegen führten Produktmanager an, dass für eine Projektleitung auf Seiten des Produktmanagements spräche, dass der Produktmanager ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleite – und dieser beginne schließlich mit der Produktentwicklung. Als weiteres Argument wurde angeführt, dass das PM über ein größeres Kostenbewusstsein verfüge und eine stärkere Nähe zum Markt und somit zum Kunden aufweise. Kritische angemerkt wurde, dass „Produktmanager und Projektleiter zwei Paar Schuhe seien“. Alternativ merkte ein Teilnehmer an, dass eine übergeordnete Projektleitung sinnvoll sein könne und diese weder im Produktmanagement noch in der Konstruktion angesiedelt sein solle. Damit verbunden wäre der Vorteil, dass sich sowohl das Produktmanagement als auch Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen auf ihre Kernthemen konzentrieren könnten. Ein weiterer Erfahrungsbericht zeigte, dass es auch hilfreich sein kann, wenn diese Abteilungen räumlich näher zusammenrücken. In dem betreffenden Fall hatte dies zur Folge, dass sich die Mitarbeiter beider Bereiche intensiver austauschten, da sie einfach kurz zur Abstimmung „ins Nachbarbüro reinschauten“. Davor, so sagte der Teilnehmer, wurde eher gegeneinander gearbeitet – jetzt würden stärker frühzeitige, informelle Rückkopplungsschleifen genutzt.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.