RPA-Bots für die Qualitätssicherung

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Softwareroboter haben in der Unternehmenswelt das Potenzial, administrative Aufgaben zu übernehmen, den Mitarbeiter zu entlasten und die Effizienz zu steigern.

Das Qualitätsmanagement kann als Gestalter die Digitalisierung von Prozessen managen, indem es den methodischen Rahmen setzt. Wesentliche Voraussetzungen für eine Umsetzung sind schlanke und stabile Prozesse, eine 100-prozentige Qualität der Stammdaten oder auch die Herstellung einer Konnektivität zwischen der digitalen und realen Welt. Zu diesen Themen führte VDMA NRW in Kooperation mit ProduktionNRW am 28. Mai 2021 eine Veranstaltung im Rahmen des Arbeitskreises Qualitätsmanagement durch.

Im Erfahrungsaustausch diskutierten die Teilnehmenden, welche Rolle das Qualitätsmanagement für die digitale Transformation übernehmen kann. SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, ein internationales Familienunternehmen und Hersteller von Antriebstechnik, stellte eine Methodik der Prozessautomatisierung mittels RPA (Robotic-Process-Automation-Process) vor. Bei RPA handelt es sich um eine softwaregestützte Methode, die den PC-Anwender nachahmt. Wiederkehrende standardisierte Prozesse in Outlook, das Herunterladen und automatisierte Bereitstellen von Dokumenten auf Kundenportalen oder auch das Versenden von E-Mails, die gleichen Mustern folgen, kann das Programm übernehmen. Diese automatisierten Prozesse werden nachfolgend Softwareroboter genannt.

Für die Qualitätssicherung übernehmen Softwareroboter wichtige Aufgaben: Sie können selbstständig Angebote auf Fehler oder Unregelmäßigkeiten überprüfen. In der Logistik können beispielsweise die Gewichte von Paketen verglichen werden, um herauszufinden, ob etwas vor der Auslieferung an den Kunden fehlt. Daniela Bokan, Digital Sales & Business Process Manager bei SEW-EURODRIVE, erklärte, dass es dabei eine der größten Herausforderungen ist, die Akzeptanz der Mitarbeiter für neue digitale Prozesse herzustellen. Diese seien häufig skeptisch, ob die Automatisierungsprojekte zu viele Aufgaben des Menschen übernehmen. Jedoch überwiegen die Vorteile: Hohe Standardisierung, Wiederverwendung und Qualitätssicherung bei einem damit einhergehenden Gewinn von Zeit. Diese können die Mitarbeiter für weitere Aufgaben bei gleichzeitig weniger Stress effektiver nutzen. Am Ende des Tages entstehe trotz vorheriger Skepsis eine hohe Akzeptanz der Technologie.

Schlüssel für die Implementierung war es dabei, die Fachbereiche in den Lead der Prozessentwicklungen hineinzunehmen, erzählte Bokan den Teilnehmern der Veranstaltung. So werden die RPA-Developer direkt in den einzelnen Fachabteilungen ausgebildet. Neben der hohen Akzeptanz im Fachbereich bringt diese Vorgehensweise eine höhere Anzahl von Automatisierungsideen mit sich, da die Developer über ein hohes Prozesswissen verfügen und einen engen Kontakt zu anderen Mitarbeitern in den Fachbereichen haben. Diese gesammelten Automatisierungsideen werden von einem RPA-Fachkreis gemeinsam mit den IT-Ansprechpartnern geprüft – und falls geeignet – im Fachbereich mittels RPA automatisiert.

Nachteile gibt es jedoch ebenso: Die Einarbeitung der Kollegen vom Fachbereich in dieses IT-Thema führt zu einem erhöhten Einarbeitungsaufwand und somit zu einer geringeren Umsetzungsgeschwindigkeit, als wenn man die Developer zentral im Unternehmen etabliert hätte.

Nach dem Praxisvortrag ging Dr. Frank Bünting, VDMA Business Advisory, auf die Herausforderung der digitalen Transformation ein. Wichtig sei es, die analogen Prozesse bei der Übertragung ins Digitale komplett neu zu denken, zu designen und individuell an die Begebenheiten des Unternehmens anzupassen. Oft fehle bei der Umsetzung der Veränderungsprozesse eine Person, die erste Strukturen setzt. Genau hier kann das Qualitätsmanagement ansetzen und beispielsweise Developer und Abteilungen zusammenbringen, um die Veränderungsprozesse einzuleiten.

Softwareroboter haben eine Zukunft in der Unternehmenswelt, da sie das Potenzial haben, administrative Aufgaben zu übernehmen, den Mitarbeiter zu entlasten und die Effizienz zu steigern. Auch Fehler werden reduziert und die Qualität wird verbessert. Darüber hinaus gibt es weiteres Entwicklungspotenzial hinsichtlich Künstlicher Intelligenz (KI). Bots sind in diesem Zusammenhang eine erste Stufe in Richtung KI. Für komplexe Aufgaben können Bots jedoch nicht eingesetzt werden: An dieser Stelle übernimmt der Mensch, der Maschinen kognitiv immer noch weit überlegen ist, indem er emotionale Entscheidungen treffen kann.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde vom VDMA NRW in Kooperation mit ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.