Steuerliche Auswirkungen von Montageprojekten in Indien

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Der wachsende Bedarf Indiens an industrieller Ausrüstung erhöht die Nachfrage und den Absatz ausländischer Güter aus dem Maschinen- und Anlagenbau – auch aus Deutschland.

Ausländische Unternehmen, die in Indien technische Dienstleistungen und Bau- sowie Montagebetriebsstätten anbieten, können frühzeitig mit dem indischen Besteuerungsrecht in Kontakt kommen. Damit Montageprojekte in Indien das gewünschte Ziel steuerlich erreichen und sich dadurch positiv auf den Gewinn des Projektes auswirken, ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den steuerlichen Auswirkungen notwendig. Außerdem ist eine zielführende Kommunikation mit den betroffenen Abteilungen im Unternehmen hilfreich. Denn alle am Projekt beteiligten Unternehmensbereiche sollten über die steuerlichen Vorschriften bei der Montage informiert sein.

Um die steuerlichen Auswirkungen eines Montageprojekts in Indien dem Maschinen- und Anlagenbau nahezubringen, hat Monika Weltin aus der VDMA Steuerabteilung die Veranstaltungsreihe „Steuern in Indien – Montageprojekte richtig abwickeln“ initiiert. Dabei werden alle Phasen eines Projektablaufs betrachtet und analysiert. Am 28. Mai 2021 hat ProduktionNRW zum dritten Vortrag der virtuellen Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Welche Vertragsgestaltungen sind möglich?“ geladen. Diesmal haben Saskia Bonenberger, MOHINDER PURI & CO. in Indien, und Tillmann Ruppert, Rödl & Partner in Indien, ihre fachliche Expertise mit Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau in NRW geteilt.

Saskia Bonenberger thematisierte zunächst die Vertragsverhandlungen nach der Angebotsphase. In diesem Teilbereich zeigt sich ein bedeutender steuerlicher Gestaltungsspielraum, da die Leistungsinhalte des Vertrages bestimmt werden. Demnach sollte von Beginn an auf eine Trennung zwischen Onshore- und Offshore-Lieferungen, Onshore- und Offshore-Leistungen sowie Engineering und Project Design geachtet werden. Die Trennung von Preiskalkulationen und Formulierung eindeutiger Handelsklauseln beugen steuerlichen Nachzahlungen vor. Zudem ist eine gute Dokumentation der Vertragsgestaltung hilfreich, um unerwarteten Forderungen der indischen Finanzverwaltung entgegenzuwirken.
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Tillmann Ruppert ging anschließend auf die Umsetzung von Montageprojekten durch Tochtergesellschaften, den ungewissen steuerlichen Kosten für Betriebsstätten und der Sondersi-tuation bei Ausschreibungen in Indien ein:

  • Die Umsetzung eines Montageprojekts durch eine indische Tochtergesellschaft ist nur dann möglich, wenn die Tochtergesellschaft leistungsfähig ist und von der Kundschaft als Vertragspartei akzeptiert wird.
  • Die steuerlichen Kosten für eine Betriebsstätte sind vorab selten abschätzbar. Zu berücksichtigen ist neben der Quellensteuer, den Kosten von Subunternehmen, der Steuerberatung auch die Steuerdeklaration. Eine „Steuerübernahmeklausel“ ist im Fall von Betriebsstätten weitgehend wirkungslos. Letztendlich ist der Preis für die Montage um die voraussichtlichen steuerlichen Kosten zu erhöhen.
  • Wenn ein Unternehmen vor Ort eine Leistung ausschreibt, sollte mit der Nettomethode gearbeitet werden – also der getrennten Auflistung von Angebotspreis und indischen Steuern. Die Bruttomethode und unklare Klauseln hingegen verzerren den Wettbewerb und machen ausländische Angebote teurer.

​​​​​​​Sollte es zu einem Steuerstreit kommen, helfen wichtige Dokumente bei der Verteidigung. Hierzu zählen unter anderem das Vertragswerk, die Kostenkalkulation, Dokumente zu Lieferumfang, Rechnungen und Bestellscheine, Zollpapiere und Verrechnungspreisdokumente sowie Aus- und Einreisestempel in den Pässen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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In der abschließenden und optionalen Fragerunde konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der virtuellen Veranstaltung gezielte Fragen an die Referentinnen und Referenten stellen. Dadurch ließ sich beispielsweise klären, warum ein Eigentumsübergang außerhalb von Indien wichtig ist oder ob eine Vertragsteilung sinnvoll ist, wenn der wirtschaftliche Zusammenhang nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann.​​​

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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