Neue NRW Industrieinitiative zur Dekarbonisierung: Erfolgreicher Start

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Die Industrieinitiative möchte den Austausch sowie den Wissenstransfer und das proaktive Handeln rund um umweltfreundliche Technologien und grüne Innovationen fördern.

„Der Maschinen- und Anlagenbau ist der Enabler für die Dekarbonisierung. Als Ausrüster kann er in fast allen Bereichen mit Innovationen und Technologien die Wirtschaft dabei unterstützen, in der Produktion CO2 einzusparen“, mit diesen Worten eröffnete Hans-Jürgen Alt, Manager von ProduktionNRW und Geschäftsführer VDMA NRW, eine neue Veranstaltungsserie. Mit rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern startete die NRW Industrieinitiative: „Chancen der Dekarbonisierung gemeinsam nutzen!“ mit den Themen Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Leichtbau.

Neue Initiative für Unternehmen, die bereit sind für die Dekarbonisierung

Die Botschaft der Veranstaltung von ProduktionNRW und Kunststoffland NRW e.V. in Kooperation mit Siemens Energy Global GmbH & Co. KG am 26. August 2021 war es, den Green Deal und das neue Klimaschutzgesetz künftig als Chance für Investitionen in umweltfreundliche Technologien und grüne Innovationen zu erkennen. Die Initiative möchte den Austausch sowie den Wissenstransfer und das proaktive Handeln rund um umweltfreundliche Technologien und grüne Innovationen fördern. Das Ziel ist es, konkrete Projekte anzustoßen, um gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln. Auch Kunststoffland NRW e.V. unterstütz deshalb die Initiative: „Wenn wir auch zukünftig ohne Verzicht auf Wohlstand und Komfort leben wollen, müssen wir weg von fossilen Rohstoffquellen, Kreisläufe schließen und intelligente Innovationen vorantreiben“, sagte Daniel Marker, Geschäftsführer Kunststoffland NRW.

Ohne Klimastrategie haben Unternehmen keine Zukunft

„CO2-sparsame Technologien und Innovationen können bis zu 86 Prozent der CO2-Emissionen in OECD-Ländern senken. Dieser Wandel kann ein Boommarkt werden!“, erörterte Matthias Zelinger, Leiter des VDMA Competence Center Klima & Energie, im einleitenden Fachvortrag. Er zeigte anschaulich, dass es keine Frage mehr darstellt, ob ein Unternehmen den Klimaschutz will, da der grüne Wandel wirtschaftliche Chancen verspricht und sich die Märkte bereits in diese Richtungen verändern: „Meine persönliche These ist, dass ohne Wissen über den Klima-Fußabdruck und Klimarisiken sowie ohne eine klare Strategie, Unternehmen keine Zukunft haben werden!“ Ein deutlicher Trend zeichne sich in allen Branchen ab: „Der Verbraucher will wissen, wie viel Klimaneutralität im Produkt steckt, deshalb wird die gesamte Lieferkette transparenter und der Kreditgeber will wissen, ob das Unternehmen nachhaltig aufgestellt ist!“

Allerdings stehen die Unternehmen auch vor großen Herausforderungen in Bezug auf Kosten und Aufwand, Wandel in Wettbewerb und Nachfrage. Es fehlen Zeit, Personal und Wissen; zudem entstehen komplizierte Gesetze und Vorschriften. Der VDMA-Experte empfahl, dass das Management über die Bereitschaft in Eigeninitiative in kleinen Schritten sich so früh wie möglich auf den Weg zur Klimaneutralität machen sollte. Dabei sind zwei wichtige allererste Schritte die ‚Erstellung einer Treibhausgasbilanz‘ und das ‚Setzen ambitionierte Klimaziele‘.

Impulsvorträge zeigen Potenziale

Im Vortrag von Christian Hüttl, Business Owner Industrial Heat Pump Solutions and Senior Key Expert New Plant Solution Optimization von Siemens Energy, wurde anhand eines Beispiels die Möglichkeit der CO2-neutralen Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpe in einer Fernwärmeanlage aufgezeigt. Ein weiteres Beispiel von Ulf Peiser, Head of Advanced Services bei Siemens Energy, zeigte die Möglichkeit der CO2-Verminderung in einer bestehenden Dampfturbinenanlage durch gezielten Turbinenumbau.

Thomas Hartkämper, CEO der Kautex Maschinenbau GmbH, zeigte wie Leidenschaft für nachhaltige Innovationen durch die Vision und Philosophie des Unternehmens gefördert werden. Intelligente Produktionslösungen und Technologien unterstützen Gewichtsoptimierungen und Kreislaufwirtschaft gleichermaßen mit dem Ziel, das Nachhaltigkeitspotenzial von mehrwertschaffenden Kunststoffprodukten weiter zu stärken.  Als ein Beispiel stellte er ein Kajakprojekt vor, bei dem die die Umstellung vom einstufigen Twin-Sheet-Verfahren in die Überführung zu einem Extrusionsblasverfahren eine Gewichtsreduzierung pro Stück von 20 Prozent erzielte und eine 75-prozentige Reduzierung des Energieverbrauchs.

Peter Barlog, CEO Barlog Plastics GmbH, berichtete, dass die CO2-Bilanz von Produkten aus Kunststoff zu einem Großteil vom eingesetzten Material abhängt. Das Ziel einer klimaneutralen Fertigung kann daher nur mittels Kreislaufwirtschaft und Einsatz von Recyclaten erreicht werden. Der Vortrag zeigte, wie eine Kunststoff-Kreislaufwirtschaft realisiert werden kann und welcher Innovationsbedarf noch besteht, um den Weg vom linearen Wirtschaftsmodell zum Kunststoff-Kreislauf möglichst schnell und effektiv in die Tat umsetzen zu können.

Workshops zeigen Wunsch nach Wissensaustausch und Vernetzung  

In drei parallel stattfindenden Workshops konnten die Teilnehmer tiefer in die Themen einsteigen. Dr. Axel Tuchlenski, Head of Global Product & Application Development bei LANXESS Deutschland, moderierte den Workshop „Kreislaufwirtschaft“. Dabei zeigte sich, dass der enge Dialog mit den eigenen Kunden zum Aufbau einer Kreislaufführung nötig ist.

Als größte Herausforderung bei der Kreislaufschließung stellte sich die Logistik heraus, um Möglichkeiten zu finden, wie Produkte wieder zurück zum Hersteller gelangen. Die „Vermittlung von Partnerschaften entlang der Wertschöpfungsketten zur Schließung der Kreisläufe“ und die ökologische Frage nach dem „Recycling durch Rücklieferung“ versus „Recycling vor Ort“ wurden als relevante Folgethemen definiert.

Esther Parthon, Manager Strategy and Implementation bei Siemens Energy, moderierte den Workshop „Energieeffizienz“. Dabei kamen unterschiedliche Problematiken zur Sprache: ‚Womit sollte sich ein Unternehmen zuerst befassen: dem Wechsel der Energiequellen, dem optimieren von energieintensiven Prozessen oder doch vielleicht beidem gleichzeitig?‘; ‚Wie groß ist die Nachfrage am Markt nach Dekarbonisierungsmaßnahmen?‘; oder ‚Wie können wir Bestandsanlagen fit machen?‘. Zusammenfassend konnte dieser Workshop zeigen, dass ein großer Bedarf für den Austausch und die Zusammenarbeit zum Thema Dekarbonisierung vorhanden ist.

Den Workshop „Leichtbau“ moderierte Phillip Kübber, Referent ProduktionNRW. Die Teilnehmer interessierten sich für Materialinnovationen und neuartige Werkstoffe, die abbaubar und recycelbar sind. Darunter fallen Themen wie ‚chemische Treibmittel‘, ‚innovative Oberflächenbeschichtungen‘ oder auch ‚wiederverwertbare Leichtverpackungen‘. Insbesondere wünschten sich die Teilnehmer einen Austausch mit Start-ups, um neue und andere Sichtweisen kennenzulernen oder Kooperationen einzugehen.

Positives Feedback

​​​​​​​Nach Evaluation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab es durchweg positives Feedback zur Onlineveranstaltung mit Tagungscharakter: Die Mehrheit der Teilnehmenden signalisierte hohes Interesse und zeigte den Wunsch, auch an weiteren Netzwerkveranstaltungen der NRW-Initiative teilzunehmen. Bis Jahresende wollen ProduktionNRW, Kunststoffland NRW und Siemens Energy jeweils weitere Folgeveranstaltungen anbieten. Falls Sie ebenfalls teilnehmen möchten, schreiben Sie uns eine kurze Mail an phillip.kuebber@vdma.org.