Versorgungsengpässe und Kostensteigerungen im Einkauf

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Volle Auftragsbücher und anhaltende Reibungen in der Lieferkette – der Einkauf steht vor großen Herausforderungen. Doch es gibt Gestaltungsoptionen.

Der Maschinen- und Anlagenbau in NRW profitiert weiterhin von einer starken Nachfrage, vor allem aus dem Ausland. Wie schnell die Aufträge abgearbeitet werden können, ist auf Grundlage der anhaltenden Reibungen in der Lieferkette schwer abschätzbar. Versorgungsengpässe und Kostensteigerungen stellen den Einkauf und die Materialwirtschaft vor große Herausforderungen.

Für ProduktionNRW waren die anhalten Probleme in der Lieferkette ausschlaggebend, um am 4. November 2021 einen virtuellen Erfahrungsaustausch für den Maschinen- und Anlagenbau in NRW anzubieten. Da die momentane Situation kurzfristig schwer lösbar ist, wurden unterschiedliche Handlungsoptionen, gewonnene Erkenntnisse und das Zusammenspiel von Einkauf und Technik in der Veranstaltung thematisiert. Neben zwei Vorträgen, stand der Austausch der teilnehmenden Unternehmen im Mittelpunkt.

In einem Impulsvortrag betrachtete Michael Wolf, Referent der VDMA Business Advisory, zunächst die Herausforderungen und Gestaltungsoptionen für das Einkaufsmanagement im Unternehmen.

Zu den zentralen Herausforderungen für den Maschinen- und Anlagenbau zählen vor allem Produktionsverzögerungen durch Materialknappheit. Diese Reibungen in der Lieferkette sind in Erholungsphasen nach einem plötzlichen Nachfrageeinbruch nicht ungewöhnlich. Zurzeit nehmen die Versorgungsengpässe und Kostensteigerung aber außergewöhnliche Ausmaße an. Besonders problematisch ist es zurzeit bei Stahl, Kunststoffen und Halbleitern. Die Problematik verschärft sich durch eine volatile Preisentwicklung beim Lieferanten und konstanten Preisen bei der Kundschaft. In diesem Zusammenhang sollte versucht werden, mehr Kongruenz herzustellen im Hinblick auf Laufzeiten, Bindungsfristen und Bedarf.

Um langfristig das eigene Unternehmen besser auf solche Sondersituationen vorzubereiten, sollte die Unternehmensführung sich abteilungsübergreifend krisenfester aufstellen. Dabei sind Kommunikationskonzepte zu erarbeiten, die den Austausch zwischen den relevanten Abteilungen erleichtern. Zusätzlich können diese Konzepte nur auf einer durchdachten Materialgruppenstrategie erarbeitet und durch eine intensivere Bewertung der Lieferanten abgesichert werden. Kurzfristige Handlungsoptionen verbergen sich in der Beschaffung von versteckten Beständen beim Lieferanten und/oder der Kundschaft, der Substitution durch kompatible Teile oder der Prüfung alternativer Teile für das eigene Produkt.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau in NRW mit mehrfachen Preiserhöhungen für bestimmte Materialen im Jahr konfrontiert sind. Dabei kauft der Einkauf momentan zu beinah jeglichen Preisen ein, um das eigene Produkt am Markt überhaupt anbieten zu können. Zudem wurden auch alternative Logistiklösungen diskutiert, wie der Transport aus China per LKW oder Zug.

Frank Sundermann, geschäftsführender Gesellschafter bei Durch Denken Vorne Consult GmbH, ging anschließend auf die Zusammenarbeit von Einkauf und Technik als möglichen Ansatz ein. Vier Aspekte seien in Zeiten von Versorgungsengpässen relevant: „Bewusstsein erzeugen“, „Transparenz schaffen“, „Entfeinerung starten“ und „Standardisierung umsetzen“. Demnach können gemeinsam mit der Technik Möglichkeiten erarbeitet werden, wie mit den Versorgungsengpässen umzugehen ist und welche Materialien durch Alternativen zu ersetzen sind. Im transparenten Austausch mit der Kundschaft können zusätzlich Produktionsverzögerungen umgangen werden. Entgegen möglicher Vorbehalte erzeuge dieser Lösungsvorschlag vielmehr Wertschätzung bei der Kundschaft.

In einer zweiten Diskussionsrunde wurde aus dem Teilnehmerkreis angemerkt, dass etablierte Produkte am Markt schwer durch alternative Materialen ersetzt werden können. Hier stehe das Unternehmen im erwarteten Qualitätsversprechen mit der Kundschaft. Zudem wurde sich gewünscht, zukünftig auch Ansprechpersonen aus der Technik miteinzuladen. Denn nur so könne der Vorschlag, einer besseren Zusammenarbeit zwischen Einkauf und Technik überhaupt umgesetzt werden.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.