Controlling zukunftssicher aufstellen

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Von europäischer Ebene droht dem Maschinen- und Anlagenbau ein bürokratischer Mehraufwand – das Controlling kann mit Agilität, Vorbereitung und sogar bei der EU-Taxonomie entscheidend unterstützen.

Controlling und Rechnungswesen im nordrheinwestfälischen Maschinen- und Anlagenbau anzubieten. In der Veranstaltung stand neben dem Finanzrahmen mit der EU-Taxonomie und dem agilen Controlling vor allem der Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Mittelpunkt.

Implikationen der EU-Taxonomie – auch für das Controlling

Frederike Krebs, Referentin im VDMA European Office, stellte in ihrem Impulsvortrag die EU-Taxonomie im Rahmen eines umfassenden europäischen Finanzrahmens vor. Die EU-Taxonomie ist dabei das Klassifikationssystem und regelt zukünftig, welche Technologien Zugang zu nachhaltiger Finanzierung erhalten werden. Ziel ist es, eine einheitliche Sprache zu nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten zu definieren und Greenwashing zu vermeiden. Dabei richtet sich die Taxonomie vordergründig an die Finanzmärkte und deren Akteure.

Das EU-Klassifikationssystem legt demnach fest, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten zukünftig als nachhaltig beziehungsweise ökologisch eingestuft werden. Für den Maschinen- und Anlagenbau ist die Kategorie „Klimaschutz“ von zentraler Bedeutung: Hier muss die Herstellung von kohlenstoffarmen Technologien (und deren Schlüsselkomponenten) nachweislich im Vergleich zur besten auf dem Markt erhältlichen alternativen Technologie, Produkt oder Lösung Einsparungen bei den Treibhausgasen über den gesamten Lebenszyklus nachweisen. Dieser Nachweis muss zusätzlich durch einen Dritten zertifiziert werden. Daraus leitet sich für den Maschinen- und Anlagenbau die direkte Betroffenheit durch die Finanzierungsmöglichkeiten und die indirekte Betroffenheit durch die Finanzierung von Kundenprojekten ab. Zusätzlich ist von einem erhöhten Mehraufwand durch zusätzliche Berichtspflichten auszugehen. Der Erhalt von nachhaltiger Finanzierung am Finanzmarkt wird dadurch deutlich komplizierter.

Abbildung von Nachhaltigkeitsdaten im Controllingsystem

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich noch nicht mit der Aufbereitung von Nachhaltigkeitsdaten im Controlling beschäftigt haben. Dabei ist zu empfehlen, sich frühzeitig auf die anstehenden Gegebenheiten durch den EU-Finanzrahmen einzustellen. Gerade für die Anwesenden, die ein neues Controllingsystem im Unternehmen angehen, ist die Abbildung von Nachhaltigkeitsdaten der Produktion im eigenen Haus im Controlling ratsam. Hier bietet sich eine enge Zusammenarbeit mit den eigenen Umweltmanagerinnen und -managern an.

Agiles Controlling als weiterer Lösungsansatz

Jörg D. Scholtka, Referent der VDMA Business Advisory, ging in seinem Impulsvortrag „Neues aus der Betriebswirtschaft“ auf das agile Controlling ein. Um sich auf die momentanen Rahmenbedingungen besser einstellen zu können, ist auch das Controlling im Maschinen- und Anlagenbau neu zu denken. Mit agilen Strukturen rücken teilweise neue Kennzahlen in den Mittelpunkt: Neben den klassischen Finanzkennzahlen sind das vor allem Kostenkennzahlen, kundenbezogene Kennzahlen (Neukundenquote, Umsatzpotenzial), marktbezogene Kennzahlen (relevante Größe, Dynamik, Aufteilungen), umweltbezogene Kennzahlen und Innovationskennzahlen. Konkrete Tipps für ein agiles Controlling sind demnach eine stärkere Vernetzung, die Errechnung neuer Geschäftsmodelle, die Identifikation von neuen Korrelationen oder die Bereinigung der vorhandenen Daten.

In der abschließenden Diskussion wurden vor allem die gegenwärtigen Herausforderungen im Controlling und Rechnungswesen aufgegriffen. So ist ein Forecast unter den momentanen Rahmenbedingungen nur schwer umsetzbar. Ein agiles Controlling erlaubt an dieser Stelle aber mehr Flexibilität und stellt das Unternehmen dadurch krisenfester auf.

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